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Das Einssein mit der MusikRock'n'Roll:
Erfahrungsbericht eines Würzburger Altrockers, den es nach 35 Jahren
noch immer auf die Bühne zieht. Peter Krones: Er braucht die Momente, in denen das Zelt bebt. Foto: Daniel Biscan Verstärker aufstellen, Kabel verlegen. Rund vier Stunden dauert der Aufbau, wenn eine Rockband unserer Größenordnung in einem Zelt oder in einem Saal spielt. Den Großteil erledigen professionelle Techniker. Vier Stunden, inklusive des Soundchecks, einer relativ spaßfreien Übung. Die Musiker sind nervös, überdreht, unkonzentriert. Die Techniker angespannt und genervt von den immer gleichen Sprüchen. Der Veranstalter droht mit Abbruch, wenn man nicht sofort leiser dreht, der erste Anruf der Polizei sei bereits eingegangen. Wir haben noch keinen einzigen Ton gespielt. Zwischen Soundcheck und Konzert im besten Fall entspanntes Essen. Ich kenne Bands, die im Vertrag stehen haben „kein Bierzeltfraß“. Okay, es gibt solche und solche Zelte. Am Ende einer Saison werden sie sich immer ähnlicher. Ich kenne das gut, schließlich spiele ich seit 35 Jahren in Bands, seit 20 Jahren mit der Würzburger Cover-Rock-Band „The Bandits“, mit der wir rund ein Dutzend Konzerte pro Jahr, überwiegend bei Motorradtreffen in ganz Deutschland geben. Trotz der Routine ist jeder Abend neu. Obwohl wir alle Amateure sind – ich bin im richtigen Leben Redakteur dieser Zeitung –, ist auf der Bühne Professionalität eine Selbstverständlichkeit. Showtime. Ist meine Gitarre gestimmt? Ist die Band vollzählig auf der Bühne? Ist mein Verstärker schon eingeschaltet? Warum leuchtet das Lämpchen auf dem Effektgerät plötzlich nicht mehr auf? Wo ist mein Gitarrenpick? Warum pappt jetzt schon wieder Klebeband an meinem Schuh? Habe ich die Sonnenbrille bereitgelegt für die ZZ-Top-Runde? Puh, Stress, Multitasking. Noch immer ist kein einziger Ton gespielt. Wie schaut es im Zelt aus? Sind überhaupt Leute da? Oh je, der schon wieder, der sich immer Lieder wünscht. Und der, der sich immer auszieht. Und der da hinten, der im letzten Jahr so erbärmlich gestunken hat . . . 21 Uhr. Jetzt geht's los. Intro. Warum höre ich nichts aus meinem Monitor? Der Monitor ist der Lebensretter auf einer Bühne, denn er spiegelt einem das, was man selbst spielt und singt. Funktioniert er nicht, ist man nach wenigen Minuten heiser. Ich signalisiere dem Techniker am Mischpult das Problem. Er nickt. Zack, das Intro kommt jetzt aus dem Monitor zu mir. Da ist das Vorspiel auch schon aus, und ich warte auf den Schlagzeuger, dass er einzählt. Zuvor hatte es noch die rituelle Frage gegeben: „Wie zählen wir heute ein?“ Musiker-Humor, denn wir spielen natürlich immer dasselbe Stück am Anfang. Warum tut er es denn jetzt nicht? Da, doch, jetzt. Er schlägt die Stöcke aneinander und zählt: „One-two . . . a-one-two-three . . .“ „Walking by myself“ von Gary Moore heißt unser erstes Stück, ein Bluesrock, bei dem man eigentlich nichts falsch machen kann. Es sei denn, man wird abgelenkt, weil plötzlich kein Ton mehr aus dem Verstärker kommt. Oder das Kabel aus der Gitarre gerutscht ist. Oder weil der Veranstalter plötzlich neben der Bühne steht und heftig winkt. Was tun? Weiterspielen, klar. Da er sehr heftig gestikuliert, muss es wichtig sein. So verpasse ich die Zuhörer-Reaktion nach dem ersten Song, was blöd ist, denn auch im stolzen Altrocker-Alter von 55 Jahren und mit über drei Jahrzehnten Bühnenerfahrung will man wissen, wie man ankommt. Der Veranstalter möchte, dass ich eine Durchsage mache, so nach dem Motto „Der Fahrer des Fahrzeugs . . .“. Dass wir eine ausgeklügelte Bühnenshow vorbereitet haben interessiert ihn nicht, denn ihm steht ja ein Auto im Weg – und genau dort muss er jetzt durch mit dem Bratwurst-Nachschub. Jetzt habe ich glatt vergessen, welches das zweite Stück ist. Meine Liste liegt auf dem Boden, dort schaue ich nach und bin wieder im Rennen. „All right now“, ein Rock-Oldie bester Güte. Kommt schon jemand auf die Tanzfläche? Nein, aber ein Tisch junger Leute steht auf und sie verlassen das Zelt. Traditionell ist das erste Set mühsam, den Besuchern fehlen noch Tanzlust und alkoholische Entspannung. Momente,
die alle Mühen wert sind Fünf Sets stehen auf dem Programm. Spielzeit: 21 bis 2 Uhr. Fünf Stunden, in denen es fast immer gelingt, Nähe zum Publikum aufzubauen. Eine Nähe, in der man den Spaß an der Musik auf die Tanzenden und Mitsingenden überträgt. Momente, in denen man eins wird mit der Band, der Musik und dem Publikum. Momente, in denen das Zelt bebt. Highway to Hell! Momente, die viel zu kurz sind, aber alle Mühen beiseite wischen. In diesem Zustand ist alles Tun und Handeln fokussiert, und wer jetzt sagen würde „Zu laut!“, würde mit sofortigem Zeltverweis bestraft. Es gibt sogar ein Wort, das diesen Zustand des Glücks trefflich und einzigartig beschreibt: Rock'n'Roll. Main Post
vom 26. März 2010 |
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